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Rausch der Verwandlung

(nach dem Roman von Stefan Zweig)

 

3. Akt, 3. Szene

 

 

Konrad

Puder und Lidstrich ...

 

Alois

Lippenstift ...

 

Konrad

Rouge ...

 

Alois

So macht sie der Kaiserstadt ihre Aufwartung, unsere Prinzessin, das Fräulein van Boolen.

 

Die Menge umfängt Christine.

 

Konrad

Der früheren Kaiserstadt. Das einstige Fräulein van Boolen.

 

Alois

Der Glanz der k. k. Zuckerbäckereien ist nie verloschen, ein unermüdlicher Gestaltungswille herrscht da hinter schwarzrotgoldenen Portalen ...

 

Konrad

So rastlos wie jener der Hofcoiffeure: In duftenden Läden modellieren sie Haare zu Frisuren, zaubern Glanz in das eben noch Matte, formen ...

 

Alois

mit glitzerndem Gerät ...

 

Konrad

das Rohe zum Hübschen, das Hübsche zum Schönen ...

 

Menge

Waschen, Legen, Fönen ...

 

Christine bricht aus der Menge, wird von Alois abgefangen und zurückgedrängt.

 

Alois

Und ein bisserl fassonieren!

 

Konrad

Durch die Ringstraße läuft sie dann mit ihren prächtigen Fassaden: Hofburg, Rathaus ...

 

Beide

Burgtheater!

 

Konrad

Und später, vor der Oper, da lauscht sie dem Plaudern und Lachen der Gäste, diesem berauschenden, lockeren Klang, betrachtet wie durch eine unsichtbare Wand ...

 

Alois

durchs Fenster halt ...

 

Konrad

die Fräcke und Roben, die sorglosen Menschen ...

 

Christine starrt aus der Menge, zunehmend kraftlos.

 

Alois

die feine Gesellschaft … Ja, schau nur, Prinzessin, es gibt sie noch!

 

Konrad

Genug gesehen. Weiter treibt es sie.

 

Beide

Zum Tanz!

 

Alois

So ein Abend will ausgenützt sein.

 

Konrad

Die Oxford-Tanzbar ist nicht grad der Kursalon.

 

Alois

So wählerisch das Mensch auch ist, das letzte Wort hat doch sein Portemonnaie ...

 

Konrad

Ohne Geld ...

 

Alois

Ka Musi.

 

Tanzszene, grölende Meute. Christine wird hin- und hergezerrt, ein Streit in den hinteren Reihen bricht aus. Ferdinand schlägt sich, wird dann von der gesamten Meute aus dem Raum gedrängt. Christine bleibt übrig.

 

Konrad

Irgendwann fällt sie ins Bett, in einer kleinen Pension in der Nähe des Westbahnhofs. Eine kurze, schlaflose Nacht, und gleich wieder hinaus ...

 

Alois

in ihr – verregnetes – Wiener Sonntagsvergnügen.

 

Christine dreht sich um, will langsam abgehen. Überlegt.

 

Konrad

Aber wohin denn, Mädel? Wohin?

 

Alois

Am besten ins Warme, ins Trockene. So ein enttäuschtes Herzerl sucht Geborgenheit.

 

Konrad

Und wenn’s auch nur bei der Schwester ist.

 

Alois

Jetzt schau sie an, das arme Tschapperl.

 

Konrad

Rührend.

 

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